Nach dem heutigen Wissen stirbt etwa die Hälfte der an Darmkrebs erkrankten Patienten an diesem Tumor. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Chancen auf komplette Heilung oder zumindest langes Überleben.
In der Statistik des Tumorregisters München aus dem Jahr 2006 kann abgelesen werden, wie viele Patienten statistisch nach 5 oder 10 Jahren noch leben, abhängig vom jeweiligen Stadium der Erkrankung.
Von 100 Patienten mit einem Frühstadium (blaue Linie) lebten nach 10 Jahren noch über 90 %, von 100 Patienten mit fortgeschrittenem Stadium (grüne Linie) lebten nach 10 Jahren noch etwa die Hälfte (50%). Die Patienten in weit fortgeschrittenem Stadium z.B. mit Metastasen (braune Linie) lebten nach 10 Jahren zu über 90 % nicht mehr.
Unsere ganzen Anstrengungen müssen also auf eine frühzeitige Entdeckung des Tumors abzielen.
Vorsorge kann das Risiko am Tumor zu sterben reduzieren:
allein durch den Test auf verstecktes Blut im Stuhl um 30 %
durch eine Darmspiegelung der unteren Dickdarmhälfte um 60 %
durch eine komplette Dickdarmspiegelung um 80 %
Warum ist das so?
Bösartige Darmtumore wachsen meist sehr langsam, häufig auf dem Boden ehemals gutartiger Darmpolypen.
In diesem, vom Patienten meist völlig unbemerkten Frühstadium kann eine Darmspiegelung die Polypen entdecken, eine schmerzlose Abtragung zur Untersuchung kann durchgeführt werden und die Diagnose "Darmkrebs" ausgeschlossen oder frühzeitig gestellt werden.
Die Polypen oder größeren Tumore bluten häufig leicht. Dieses Blut ist nicht immer sichtbar, kann jedoch durch einen chemischen Test im Stuhl untersucht werden.
Diese Tests sind nicht so sicher wie eine Spiegelung, geben aber erste Hinweise, auf die dann eine Koloskopie (Darmspiegelung) folgen muß.
Da der Wert der frühzeitigen Diagnose allgemein anerkannt ist, haben die Krankenkassen inzwischen die Bluttests und die Darmspiegelung als Vorsorgeleistung anerkannt und zahlen sie entsprechend.
Vorsorgeempfehlung
mit 50-54 Jahre Test auf verstecktes Blut
ab 55 Jahre 1. Vorsorge-Darmspiegelung
10 J. später 2. Vorsorge-Darmspiegelung
alternativ ab 55. Jahr jährlich nur die Tests auf Blut im Stuhl
Spätere Symptome können sein:
Sichtbares Blut im Stuhl,
Blutarmut ( Schwindel, Blässe)
Wechsel zwischen Durchfall und Stuhlverhalt
Akuter Stuhlverhalt, Bauchkrämpfe
Schmerzen im Bauchraum oder beim Stuhlgang
In diesen Fällen sollte der Hausarzt rasch aufgesucht werden, er veranlasst weitere Untersuchungen.
Vererbung kann eine Rolle spielen!
Waren unter den leiblichen Verwandten schon bösartige Tumore, vor allem Darmtumore aufgetreten, so steigt das Risiko selbst an einem solchen Tumor zu erkranken erheblich an.
Verwandte 1. Grades eines Karzinompatienten < 60 Jahre ein 3-4-faches Risiko
Verwandte 1. Grades eines Adenompatienten ein 2,5-faches Risiko
Patienten mit Adenomen selbst haben ein etwa 3-fach erhöhtes Krebsrisiko !
Diese Gruppen sollten 10 Jahre früher mit den Vorsorgekoloskopien beginnen
Sind Verwandte auch betroffen?
Eine auffällige Häufung von Tumorerkrankungen in einer Familie, insbesondere aber eine Häufung von Tumoren im Darmtrakt in einer Familie erhöht für den Patienten deutlich das Risiko, selbst an einem bösartigen Darmtumor zu erkranken. Auch das Risiko, das sonst normale Darmpolypen doch bösartig sein könnten steigt bei einer solchen Familienbelastung um das 2-3-fache. Es ist also entsprechend dem Rat der betreuenden Ärzte durchaus sinnvoll je nach Konstellation eine genetische Beratung durchführen zu lassen, Verwandte speziell und vor allem frühzeitiger in Vorsorgeunterschungsmaßnahmen einzuschleusen. Es geht immer darum, den Darmkrebs in einem heilbaren, frühen Stadium zu entdecken, Vorsorge ist hier die beste Verteidigung.
Nachsorge
Nach der Behandlung der Tumorerkrankung wird der Patient durch seinen Hausarzt koordiniert nachbetreut und in regelmäßigen Abständen untersucht. Zeitplan und Ausmaß dieser Nachuntersuchungen sind für den Darmkrebs in Leitlinien skizziert und werden wieder individuell auf den Patienten zugeschnitten. Dies ist abhängig von der Schwere und dem bisherigen Verlauf der Erkrankung. Die Untersuchungen umfassen meist Blutuntersuchungen, Ultraschall, Darmspiegelung und ggf. weitere Spezialuntersuchungen wie eine Computertomographie. Auch hier arbeiten alle Spezialisten des Darmzentrums Hand in Hand, der Hausarzt koordiniert in der Regel, die Darmsprechstunde kann ergänzen und die Tumorkonferenz wird in speziellen Fragen, zum Beispiel bei erneutem Auftreten eines Tumors, beraten. Das Darmzentrum steht für den Patienten also auch nach zunächst überstandener Erkrankung für die weitere Betreuung zur Verfügung.
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