Knorpelschäden im Kniegelenk - Knorpelregeneration durch Mikrofracturing Operative Möglichkeiten zum Gelenkerhalt bei Arthrose  Aufgefaserter Knorpel 2° der Kniescheibenrückfläche Schwerer Knorpelschaden 4° mit Knorpelverlust
Die Knorpeloberfläche der menschlichen Gelenke besteht aus einem extrem belastbaren glatten Knorpelzellmaterial ("Hyaliner Gelenkknorpel"), dessen Aufgabe darin besteht, reibungsfreie Gelenkbewegungen auch unter stärksten Belastungen zu ermöglichen. Obwohl das festelastische hyaline Knorpelzellgewebe ausgesprochen widerstandsfähig für flächige Druckbelastung ist, können Gelenkverletzungen, lokale Durchblutungsstörungen ("Ostonekrose", "Osteochondrose") oder Verschleißerscheinungen zum Knorpelverlust führen. Der menschliche Knorpel ist ohne Hilfestellung nur in geringem Maß regenerationsfähig. Am besten lassen sich unfallbedingte isolierte Knorpelschäden rekonstruieren, da diese nach operativ Refixation gute Chancen für ein Anwachsen am Verletzungsort besitzen. Problematisch sind Verschleißschäden, da hier keinen spontane Erholung des Knorpels beobachtet wird. Die Einschätzung, dass der menschliche Knorpel überhaupt keine Regenerationsfähigkeit besitzt und Verschleißschäden lediglich durch Gelenkersatz behandelt werden können, hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten immer wieder gewandelt. Inzwischen konnte durch intensive experimentelle Untersuchungen nachgewiesen werden, dass neben einer Regeneration mit minderwertigem Narbenknorpel ("Faserknorpel") auch höherwertiger Ersatzknorpel mit Anteilen von höherwertigem hyalinen Gelenkknorpel und geringwertigem Faserknorpel erreicht werden kann. Die entsprechende Methode zur Regeneration wird als "Microfrakturing" bezeichnet. Bei dieser Methode werden die verhärteten freiliegenden Knochenoberflächen arthroskopisch von den zerstörten Knorpelresten befreit und mit einem spitzen Instrument oberflächlich eröffnet. Die kleinen, bewusst herbeigeführten Verletzungen der Ober-fläche führen zu sternförmigen Haarrissen der verhärteten Knochenoberfläche (daher "Mikrofrakturing").  Einsatz der Mikrofracturing-Ahle mit sternförmigem Harriß um die kleine Knochenöffnung
Als Effekt wird durch die entstehende Heilung der punktförmigen Knocheneröffnung mit der sternförmigen Haarrissbildung ein Narbengewebe erzeugt, das neue Durchblutung an die Knochenoberfläche heranführt, da die Ernährungsstörung der Knochenfläche unter dem Knorpel als eine Ursache des Knorpelverschleiß angesehen wird. Besonderer Bedeutung wird seit jüngster Zeit der Freisetzung von Stammzellen (also jungen, noch nicht komplett differenzierten Blutzellen) durch die Mikroverletzungen an der Oberfläche zugeschrieben, die dann einen höhere Qualität des Nerbenknorpels mit einem größeren Anteil hyaliner Knorpelzellen erwarten lassen, somit belastungsfähiger und langlebiger eingeschätzt werden. Aus diesem Grund wird in jüngster Zeit auf eine Drainageneinlage in das Kniegelenk nach der Mikrofrakturierung verzichtet, um den förderlichen Stammzellenaustritt an der mikrofrakturierten Knochenoberfläche nicht zu verringern. Allgemeine Fragen zur Mikrofrakturierung Wie verlauft die Nachbehandlung? Einheitliche Richtlinien zur Be- oder Entlastung nach der Mikrofrakturierung existieren nicht, in der Literatur werden hier sehr unterschiedliche Angaben von früher Vollbelastung bis langfristiger Entlastung oder Teilbelastung beschrieben, je nach persönlicher erfahrung des Operateurs. Wissenschaftliche Untersuchun-gen mit definitiver Aussagekraft dazu stehen nicht zur Verfügung. Dennoch wird von den meisten Operateuren eine Teilbelastung für einen Zeitraum von 4-6 Wochen empfohlen, da es verständlich erscheint, dass eine frisch entstehende Knorpelnarbe nicht direkt mit dem kompletten Körpergewicht belastet werden sollte. Stellen Sie sich also bitte auf einen Zeitraum von 4-6 Wochen Gehstützen mit Teilbelastung ein und vertrauen sie der Empfehlung des Operateurs, dieser kann das Ausmaß der Knorpelschädigung am besten einschätzen!! Es ist jedoch sehr wichtig zu berücksichtigen, dass die durch Mikrofrakturierung erwünschten Effekte (Schmerzrückgang, verbesserte Belastungsfähigkeit, Rückgang der Ergussbildung) oft bereits kurz nach der Operation einsetzen könne, entscheidende Verbesserungen jedoch auch in vielen Fällen erst nach 3-6 Monaten auftreten. Verlieren Sie also bitte nicht die Geduld, geben Sie Ihrem Knorpel genügend Zeit zur Regeneration!! Welche Prognose ist zu erwarten? Die Regeneration des Knorpelbezirks, der mit der Mikrofrakturierung behandelt wurde, zeigt in einem hohen Prozentsatz eine deutliche Besserung der Belastungsfähigkeit und Schmerzverminderung (60-80%). Die Verbesserung ist erkennbar, jedoch nicht allein abhängig vom Ausmaß des Knorpelschadens. Auch ausgedehnte Knorpelschäden können deutliche Verbesserungen erwarten lassen, jedoch ist hier der Prozentsatz des Erfolgs etwas geringer anzusetzen.
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